Wie bitte? Keine Autos mehr?

Ja, genau! Möglichst schnell und in einer Weise, dass alle (wirklich alle!) Menschen besser und unkomplizierter unterwegs sein können. Autos sind keine wirklich schlauen Fortbewegungsmittel – wir nehmen ihre negativen Folgen nur nicht mehr wahr, weil sie so alltäglich geworden sind. Wegen ihnen können wir nicht entspannt vor unseren Wohnungen sitzen. Für Kinder ist es gefährlich allein draußen zu spielen und auch für Tiere stellt der Autoverkehr eine Gefahr dar. Oft ist mehr als ein Fünftel der Flächen in Städten und Dörfern betoniert und damit verlorener Lebensraum. Autoindustrie und Autofahren verschlingen viele wertvolle Rohstoffe, verschmutzen Luft, belasten Mensch und Natur mit Licht und Lärm, führen zu vielen Unfalltoten und Verletzen. Wer sich kein Auto leisten kann, wird vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

Doch das Auto ist nur eine Gewohnheit. Auch wenn viele es verdrängen, ist es für eine gute Mobilität nicht nötig, im Gegenteil es stört. (Viele unserer Ideen und Formulierungen sind angelehnt/„geklaut“ von der Verkehrswende Initiative in Gießen).

 Download: Verkehrswendeplan Koblenz (PDF) 

Unsere Vorschläge für Koblenz

Wir wollen Koblenz vom Autoverkehr (motorisierter Individualverkehr) befreien – zuerst und möglichst schnell die Innen- und Altstadt, dann die umliegenden Stadtteile. Am Ende soll eine autofreie, sozial und ökologisch lebenswerte Stadt entstehen. Die freigewordenen Flächen werden umgewandelt in Gärten, grüne Aufenthalts- und Spielflächen, Fahrradstraßen, Fußwege und -zonen, sowie gepflasterte oder begrünte Tramtrassen.

Die bisherige Infrastruktur wird umgebaut: Parkhäuser werden zu Wohnhäusern umgewandelt!

Unser Ziel: Mindestens 50% des Alltagsverkehrs soll auf das Fahrrad verlagert werden, also für Strecken von und zur Arbeit, Ausbildung, Einkaufen, … . Dass das möglich ist, zeigen Städte, die dem Radverkehr seit längerer Zeit Vorrang einräumen und so 45 – 60% Fahrradanteil erreichen (z.B. Houten und Groningen in den Niederlanden, Oldenburg, Münster und Greifswald hierzulande, Kopenhagen und andere Orte in Dänemark). Fahrradstraßen sind das Rückgrat eines dichten und gut zu befahrenden Radwegenetzes. Um nicht noch mehr Flächen zu versiegeln und Platz zu vergeuden, ist die Umwidmung vorhandener Autostraßen dem Neubau von Radwegen unbedingt vorzuziehen. Die Autos sollen ja schließlich raus, d.h. der Platz wäre da.

Hohe Umstiegsquoten lassen sich auch durch den Nulltarif erzielen, verbunden mit einem guten Nahverkehrsnetz. Dafür reichen Busse nicht, die selbst im Stau stecken bleiben und selbst breite Asphaltpisten brauchen. Straßenbahnen (Tram) und Seilbahnen sind leistungsfähiger, bereits heute e-mobil und brauchen kaum Versiegelung. Sie sind zudem fußgänger*innenverträglich, können also auch auf ausgewählten Strecken der Innenstadt unterwegs sein. Weiter außerhalb braucht es dann Zubringerbusse an das ausgebaute RegioTram– und Bahnnetz. Über Hindernisse wie Bebauung, Bahnlinien oder Fußgänger*innenzonen können auch Seilbahnen eine interessante Variante sein wie das Nahverkehrssystem, z.B. in La Paz, zeigt.

→ Eine gerechte Mobilität für alle braucht zusätzlich zum flächendeckenden Netz aus Bahn-, Seil- und Buslinien den Nulltarif. Städte ohne Fahrscheine gibt es weltweit, z.B. in Dünkirchen, Aubagne, Nieort und über zwanzig weiteren Orten Frankreichs, in der estnischen Hauptstadt Tallinn (inzwischen auf fast ganz Estland ausgeweitet), in mehreren polnischen Städten (bei Smog sogar in Warschau und Krakau) und seit 2020 in ganz Luxemburg. Deutschland hinkt mit nur einer Kleinstadt (Pfaffenhofen) hinterher. Templin brach den Versuch ab – wegen zu großen Erfolgs! In Tübingen fährt der Bus samstags ticketfrei, in manch anderen Städten an Adventssamstagen. Das war’s. Koblenz könnte also Vorreiterin sein!

Gebraucht werden für eine grundlegende sozial- ökologische Verkehrswende mehr Lokführer*innen und weitere Bahnangestellte. Dort aber herrschen Mängel. Bessere Arbeitsbedingungen, Anreize und Wechselhilfen für Kontrolleur*innen und Autobauer*innen sind nötig.

→ Für das Verkehrsmittel Rollstuhl und für Menschen, die eingeschränkt mobil sind, sind im Stadtgebiet viele kleinere und größere Änderungen nötig. Die flächendeckende Absenkung von Bordsteinen an Übergängen, die Installation von Aufzügen an Bahnhaltepunkten (z.B. Bahnhof Lützel und Moselweiss) und eine umfangreiche Beschilderung im Stadtgebiet gehören dazu. Zwischen den Bus- und Regio-Tramlinien muss zudem der ebenerdige Umstieg überall gewährleistet werden.

Nicht zu vergessen sind die Wege zu Fuß. Wir fordern mehr Platz, die ganze Innen- bzw. Altstadt zwischen Moselring und Moselufer sowie Löhrcenter und Rheinufer als Fußgänger*innenzone inklusive der Fußwege an den Flussufern. Ausnahmen sind die durch diesen Bereich fahrenden RegioTram-Linien und Fahrradstraßen. Verbunden mit Aufenthalts- und Spielplätzen, barriere- und lärmfrei. An viel begangenen Kreuzungen sollen Rundum-Grün-Phasen, in der für alle Autos rot gilt, mit Diagonalquerungsmöglichkeiten und genügend Zeit geschaffen werden..

Noch wirkungsvoller ist allerdings Verkehr, der gar nicht erst entsteht. Daher fordern wir eine Politik der kurzen Wege. Das bedeutet die Wiederbelebung der Stadtteile und umliegenden Dörfer durch Läden, Schulen, Kultur und medizinische Versorgung. Zentrale Einkaufszentren (Globus, Forum, Löhrcenter), weit entfernte Arbeitsplätze, neue Gewerbegebiete und Straßenbauprojekte müssen endlich der Vergangenheit angehören!

Wir fordern:

Alles zusammen schafft die (weitgehend) autofreie Stadt!